Die Globale Konferenz der Allianz für Integrität zum Thema Integrität im Digitalen Zeitalter

22.02.2018

Frankfurt, Deutschland

Unter dem Titel „Implementing Business Integrity into Practice – Integrity in the Digital Era” wurde in Frankfurt die Globale Konferenz von der Allianz für Integrität erfolgreich ausgetragen. Mehr als 110 Vertreterinnen und Vertreter des öffentlichen und privaten Sektors, der Zivilgesellschaft als auch der Wissenschaft, kamen zusammen um über die Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf Compliance und unternehmerische Integrität zu diskutieren und reflektieren. Die Konferenz wurde zudem online von mehr als 150 Zuschauern mitverfolgt.

Noor Naqschbandi, Leiter der Allianz für Integrität, eröffnete die Konferenz und betonte in seiner Willkommensrede, das weitreichende Potential fortschrittlicher Technologien für den öffentlichen und den Privatsektor bei der Korruptionsprävention. Während die Verschmelzung von Digitalisierung und Integrität einerseits vielversprechend sind und vielfältige Möglichkeiten für eine effektivere Korruptionsprävention darstellen, sollte man andererseits, so Herr Naqschbandi, nicht die damit verbundenen Risiken unterschätzen. Nur durch eine gründliche Einschätzung dieser, kann das volle Potential von integrierten digitalen Korruptionspräventi-onstools von Gesellschaften ausgeschöpft werden. Nach der Begrüßung folgte eine Einführung durch Dirk Schwenzfeier, Beauftragter für Wirtschaft und Kommunen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), in der er die außeror-dentliche Relevanz des Privatsektors, bei der Erreichung des Nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen, betonte. Des Weiteren hob er die Wichtigkeit von stabilen und vertrauenswürdigen Rahmenbedingungen als notwendige Bedingung für privatwirtschaftliche Investitionen hervor. Anschließend folgten Keynote Reden von Wagner de Campos Rosário, dem brasilianischen Minister für Transparenz und Generalrechnungsprüfer (CGU) und Dr. Christoph Beier, dem Stellvertretenden Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH. Beide Redner betonten die Relevanz der inter-nationalen Kooperation im Bereich der Korruptionsprävention. Diesbezüglich bezeichnete Dr. Beier weltweite Partnerschaften als Schlüssel für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwick-lung. Eine gemeinsame Auseinandersetzung mit dem digitalen Wandel und die gleichzeitige Stärkung der Multi-Stakeholder Partnerschaften, wie beispielsweise die Allianz für Integrität, sind unabdingbare Voraussetzungen für die Förderung von Integrität und Compliance im Wirt-schaftsumfeld. Schließlich ermutigte Dr. Beier alle Teilnehmenden dazu, sich weiterhin für die Stärkung von Transparenz und Antikorruption einzusetzen.

Im folgenden Eröffnungspanel, wurden zum einen die Möglichkeiten für die Stärkung von Integrität im öffentlichen Sektor und im Privatsektor, zum anderen potentielle Herausforde-rungen diskutiert. Oya Özarslan, Vorstandsmitglied bei Transparency International und Vorsit-zende von Transparency International Türkei, sprach über die Chancen der Digitalisierung für die Bemühungen der Zivilgesellschaft in Bezug auf Korruptionsprävention und -bekämpfung. Außerdem beleuchtete sie Best Practices bei der Datenerhebung und neue Methoden für das Bewachen von Abläufen des Privatsektors und des öffentlichen Sektors. Dr. Mike Falke, Lei-ter des Gruppe Governance und Menschenrechte in der GIZ, betonte, dass einer Implementierung von digitalen Tools notwendingerweise der politische Wille vorangehen müsse, damit überhaupt verlässliche Rahmenvoraussetzungen entstehen können. Vertreter des privaten Sektors waren Alfredo Paredes, Chief Integrity Officer bei VESTA und Reynaldo Goto, Compliance Officer von Siemens Brasilien. Sie verwiesen auf die enormen Möglichkeiten der Digitalisierung für unternehmerische Integrität und für ein nachhaltiges Wachstum. Candice Welsch, Leiterin, Korruptionsbekämpfung und Wirtschaftskriminalität des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), sprach über Trends und Good Practice Beispiele beim Einsatz von Kommunikations- und Informationstechnologien, um Korruption entgegen zu wirken. Sherbir Panag, Partner der Anwaltskanzlei Panag & Babu, moderierte die Diskussion.

Danach übernahm Fernanda Cabral, Mitgründerin von Imagina Coletivo das Wort und regte mit ihrem Beitrag über das Potential der von uns tagtäglich getroffenen Entscheidungen, sowohl im Geschäfts- als auch im Privatleben, zur Reflexion an. Auf ihren Beitrag folgte Ray-mond Ahiadorme, Netzwerkmanager Ghana der Allianz für Integrität, der die TheIntegrityApp auf globaler Ebene launchte. Das digitale Tool ist eine Applikation und eine Onlineplattform, die es kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) ermöglicht, das Niveau ihres Compliancesystems selbst zu bewerten und anschließend ihre Kapazitäten mithilfe von praktischen Tools und Mitteln zu verbessern. TheIntegrityApp ermöglicht es aber auch großen Unternehmen das Complianceniveau ihrer Lieferanten zu überblicken und somit ihre eigenen Compliancestandards zu verbessern. Die App ist nun auf Englisch, Spanisch und Portugiesisch verfügbar.

Während der Mittagspause hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit sich auf dem Markt-platz weiter auszutauschen. Sie konnten dabei Vertreterinnen und Vertreter der Allianz für Integrität, des Sektorvorhabens für Antikorruption und Integrität (GIZ), des Globalvorhabens Illicit Financial Flows (GIZ), der International Anti-Corruption Academy (IACA), der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), von Transparency Interna-tional sowie des Water Integrity Networks (WIN) kennenlernen.

Nach der Pause, startete das zweite Panel zum Thema digitaler Compliance in Schwellenländern. Der Fokus dieses Panels lag dabei auch auf Compliance in globalen Lieferketten. Gemma Aiolfi, Leiterin Compliance und Corporate Governance des Basel Institutes on Governance, und Jorge Bermúdez Soto, Generalrechnungsprüfer in Chile nahmen an der Podiumsdiskussion teil. Auch Elodie Beth, Programmberaterin für Transparenz, Rechenschaftspflicht und Antikorruption des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) Bangkok, Theo Hesselink, Technischer Leiter Compliance und Förderung der World Customs Organization, und Steven Pope, Vizepräsident Zoll und Regulierungsangelegenheiten der DHL Express Europa teilten ihre Sicht zum Thema in dieser Runde. Die Rednerinnen und Redner debattierten angeregt darüber, wie Regierungen zu Rahmenbedingungen beitragen könnten, die eine erfolgreich implementierte Lösung für integre Lieferketten fördern. Genannte Lösungen waren unter anderem: E-Zoll, E-Tenders und E-Beschaffung. Damit könnte man nicht nur neue Investoren anziehen sondern auch KMUs dabei helfen wettbewerbsfähiger auf dem globalen Markt zu werden. Mattia Wegmann, Projektmanager der Allianz für Handelserleichterung (GIZ), moderierte das Panel.

Bei der darauffolgenden Rede, teilte Prof. Dr. Tobias Keber, Vorsitzender des Instituts für Digitale Ethik der Hochschule der Medien Stuttgart, seine Ansichten über die Korruptionsbekämpfung und die Stärkung von Integrität im Zeitalter der Digitalisierung. Professor Keber präsentierte zehn ethische Richtlinien, die Unternehmen bei ihren Digitalisierungsprozessen in ihre Strategie aufnehmen sollten.

Die nachfolgenden parallelen Workshops boten den Teilnehmenden weitere praktische Ein-blicke in das Thema. Der erste Workshop wurde dabei in Kooperation mit DICO (Deutsches Institut für Compliance) e.V. organisiert und beschäftigte sich mit der Frage: „Der Compliance Officer der Zukunft – Mensch oder Maschine?“. Roberta Codignoto, Leiterin der Rechts- und Complianceabteilung für Lateinamerika bei Staples, Alexander Geschonneck, Leiter des Bereichs Compliance & Forensic bei KPMG AG und Arbeitsgruppenleiter Digitale Transformation der DICO e.V., und Dr. Jan Hendrik Gnändiger, Head of Compliance im Bereich Compliance & Forensic der KPMG AG, tauschten sich über digitale Transformation und Compliance aus. Amanda Rocha von der Allianz für Integrität moderierte diesen Workshop. Im zweiten Workshop beleuchteten Silvina Coria, Globale Leiterin für Risiko und Compliance der OLX, Daniela Jiménez, Mitglied der Victoria 147 und Mitgründerin von DITEM sowie Bright Simons, Präsident von mPedigree, die Wichtigkeit von Integrität für Start-Ups und Technologieunternehmen. Die zentrale Frage in diesem Workshop befasste sich mit dem Gegenstand, ob sich Integrität und Innovation ausschließen oder ob sie miteinander einhergingen. Nandini Sharma, Netzwerkmanagerin Indien der Allianz für Integrität moderierte diesen Workshop. Die dritte Sitzung, welche von Daniela Patiño Patiñeros des Global Compact Netzwerks Kolumbien geleitet wurde, setzte sich mit den neuen vielversprechenden Tools der Digitalisierung ausei-nander, die sich für denöffentlichen Sektor bieten. E-Beschaffung, E-Vergabeplattformen, E-Zoll und Onlineregister könnten nützliche Tools sein, die Integrität fördern. Neben diesen Vorteilen, reflektierten Rhoda Appiah, Leiterin Corporate Affairs und Verwaltung der Public Procurement Authority Ghanas und Paulo Magina, Abteilungsleiter öffentliches Beschaffungswesen der OECD auch die Herausforderungen des öffentlichen Sektors bei der Implementierung dieser E-Tools. Darüber hinaus gaben sie Ratschläge, für den Umgang mit diesen. Nach den Workshops wurden die Ergebnisse der jeweiligen Gruppen im Plenum vorgestellt und diskutiert.

In seinen Abschlussworten betonte Noor Naqschbandi, dass die Allianz für Integrität weiterhin auf den engen Austausch mit den verschiedenen Stakeholdern im Bereich Korruptionsprävention und Compliancebaut. Er dankte allen Anwesenden für ihr Interesse und ihren Beitrag zum Erfolg der Veranstaltung. Außerdem richtete er ein Dankeschön an alle Partner und Unterstützer für ihre anhaltende Unterstützung in den Regionen sowie in Deutschland. Silvia Heer vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) schloss den offiziellen Teil der Veranstaltung, indem sie dem Leiter der Allianz für Integrität, Herrn Naqschbandi, für seine Arbeit der letzten Jahren dankte und ihm alles Gute für seine neue Position innerhalb der GIZ in Indien wünschte.

 
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