Privatsektor in Nigeria setzt sich für Collective Action ein

05.02.2020

Lagos, Nigeria

Akteur*innen aus der nigerianischen Privatwirtschaft haben gemeinsam mit dem öffentlichen Sektor und zivilgesellschaftlichen Organisationen zur Collective Action aufgerufen. Ziel ist es, eine Kultur integren Verhaltens im nigerianischen Wirtschaftssystem zu etablieren. Diese Forderung wurde von Panelteilnehmer*innen des ersten Runden Tischs zum Thema Integrität in Lagos (Nigeria) gestellt, der in Zusammenarbeit mit der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Nigeria (AHK) stattfand. Im Fokus der Veranstaltung stand die Rolle des Privatsektors im Aufbau einer integren (Unternehmens-)Kultur. 

Der Runde Tisch ist Teil einer Reihe von Aktivitäten, welche die Allianz für Integrität anlässlich ihres Einstiegs in das nigerianische Wirtschaftssystem organisiert. An der Veranstaltung nahmen Geschäftsführer*innen, Firmenchef*innen und Abteilungsleiter*innen mehrerer internationaler, multinationaler und lokaler Unternehmen teil, darunter Weststar Associates Limited (Mercedes-Benz), Aelex, BASF SE und Guinness (Diageo). 

Während ihrer Eröffnungsrede unterstrich Katharina Felgenhauer, Vertreterin der AHK Nigeria, wie wichtig es sei, dass die Allianz für Integrität zukünftig auch in Nigeria aktiv ist. Korruption zählt zu den größten Herausforderungen, mit denen sich Unternehmen im Land konfrontiert sehen. In einer Studie der AHK Nigeria aus dem Jahr 2019 bezeichneten die teilnehmenden KMUs Compliance und Integrität als Themen von höchster Priorität. „Integres Verhalten seitens der Unternehmensführung ist essenziell, um eine integre Unternehmenskultur zu schaffen“, betonte Felgenhauer. Im Anschluss lud sie zu einer offenen Diskussion über die Konsequenzen von Korruption auf das Unternehmensumfeld ein und wies auf die Notwendigkeit einer kollektiven Maßnahme zur Lösung des Problems hin.

Die Panel-Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, um Probleme im Kontext von Compliance und Integrität klar zu benennen. Gemäß ihrer Definition ist Compliance das Ergebnis von Richtlinien, Systemen, Strukturen und persönlicher Integrität. Aus diesem Ideal heraus appellierten sie an Unternehmen künftig noch stärker auf die Einhaltung von Regeln sowohl im Betrieb als auch im Wirtschaftssystem zu achten. Um eine integre Unternehmenskultur zu schaffen, müsse jedoch auch Raum für Fehler und Unterstützungssysteme geschaffen werden. 

So stellten sie heraus, dass keine Angst bei den Mitarbeitern geschürt werden dürfe. Vielmehr gelte es diese zu ermutigen und ein Umfeld zu gestalten, das eine offene Diskussion zur Lösung aufkommender Probleme zulässt.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wiesen die Teilnehmenden auf das Problem hin, dass sich Unternehmen dazu gedrängt sehen gesetzeswidrig zu handeln, um überhaupt im Geschäft zu bleiben. Dabei thematisierten sie insbesondere bürokratische Hürden bei Geschäftstätigkeiten, die den öffentlichen Sektor einschließen. Als Konsequenz forderten sie eine Collective Action zwischen Privatwirtschaft und öffentlichem Sektor. Ziel solle es sein, Lösungen für Herausforderungen in einem Wirtschaftssystem zu entwickeln, das Korruption erleichtert. Vor diesem Hintergrund unterstrichen die Akteur*innen der Privatwirtschaft ihre Vorreiterrolle bei der Förderung eines verantwortungsvollen Geschäftsumfelds durch aktives Engagement, Zusammenarbeit und kollektive Maßnahmen. Sie argumentierten, dass es genügend relevante Gesetze, Vorschriften und Regelungen gebe, die zu einem verantwortungsvollen Geschäftsklima beitragen. Begleitet wurde das Statement von einem kollektiven Aufruf zur strikteren Umsetzung der Anti-Korruptionsgesetze und zur Einhaltung der Compliance-Standards, um die gesetzten Ziele zu erreichen.

In ihrem Schlusswort machte Katharina Felgenhauer nochmals deutlich, dass Korruption langfristig teuer sei und riet den anwesenden Unternehmen eine integre Kultur in ihren Organisationen zu etablieren, beginnend mit einer klaren „Voice from the top“. „Wir benötigen kontinuierlich Dialoge und aktives Engagement wie heute, um das Thema Anti-Korruption anzugehen“, unterstrich Felgenhauer. Abschließend forderte sie die Teilnehmenden dazu auf, sich der Allianz für Integrität anzuschließen, die als glaubwürdige Plattform zu Erreichung der genannten Ziele fungiert.  

Zu den Diskussionsteilnehmer*innen des Runden Tischs gehörten Dr. Jean-Marc Ricca, Managing Director von BASF West Africa, Theophilus Emuwa, Managing Partner, Aelex, Ikwo Okutinyang, Compliance Manager, Guinness (Diageo) Nigeria, und Ebere Aninih, General Manager, Legal Compliance and Human Resources, Weststar Limited (Mercedes-Benz).

Autor*innen: Gideon Mankralo & Christiana Gada

 
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