Starke Netzwerke und robuste Geschäftssysteme im Kampf gegen systematische Korruption

10.06.2020

Ghana, Online

Secon WISe event Ghana

Unternehmerinnen aus Ghana sind aufgerufen, starke Netzwerke zu knüpfen und widerstandsfähige Geschäftssysteme aufzubauen, um Korruption effektiv zu begegnen. Diese Forderung wurde während der zweiten virtuellen Sitzung der Women for Integrity-Serie (WISe) zum Thema ‚Wirtschaften in Ghana – Herausforderungen für Unternehmerinnen‘ ausgesprochen. 

Die von der Allianz für Integrität in Zusammenarbeit mit der Soronko Academy organisierte Veranstaltung zielte darauf ab, Unternehmerinnen zusammenzubringen, um Schwierigkeiten und praktische Erfahrungen beim Manövrieren durch das ghanaische Geschäftsumfeld auszutauschen. Die diskutierten Themen betrafen vor allem bürokratische Herausforderungen, kulturell verankerte Stereotypen gegenüber Geschäftsfrauen und bestehende Rechtsschutzmechanismen, die Unternehmerinnen zur Verfügung stehen.

Regina Honu, Geschäftsführerin der Soronko Academy, leitete den informellen Austausch. Sie beklagte gesellschaftliche Stereotypen in Bezug auf Frauen, die sich gegenüber ihren männlichen Kollegen durchsetzen. Insbesondere im Berufsleben werde dies häufig als Arroganz interpretiert. Zudem äußerte sie sich besorgt über das patriarchalische Patronage-System, das in Ghana vorherrscht. Ihre Aussage untermalte Honu mit Fällen, in denen sie mit ihrem Ehemann zu geschäftlichen Verhandlungen gehen musste, um Aufträge abschließen zu können. Sie berichtete darüber hinaus von einem Vorfall, in dem sie einen Büroraum erst dann anmieten durfte, nachdem ihr Mann sie begleitet hatte, obwohl sie die Voraussetzungen für die Anmietung des Raums erfüllt hatte. Sie ermutigte deshalb die Teilnehmerinnen, selbstbewusst zu sein und für sich einzustehen, da sich die Gesellschaft noch nicht vollständig mit einem aufgeschlossenen Frauenbild identifiziert habe. Sie forderte die Unternehmerinnen zudem dazu auf, widerstandsfähige Unternehmen und Netzwerke aufbauen, um ihre Integrität inmitten der Herausforderungen des Geschäftsumfelds aufrechtzuerhalten.

Rechtsanwältin Adu Ampofo, Geschäftsführerin von Velia Consulting und geladene Sprecherin der Veranstaltung, drängte ihrerseits darauf, dass Frauen eine Geschäftsperspektive abseits der kulturellen Erwartungen aufbauen müssen. „Unternehmerinnen müssen die Auswirkungen jeder geschäftlichen Entscheidung, die sie treffen, kennen und verstehen. Es ist wichtig, sich immer von dubiosen Geschäftsabschlüssen zu distanzieren und Kommunikationswege offen zu halten“, bekräftigte sie.

Nach einer sehr interaktiven und engagierten Diskussionsrunde über Herausforderungen innerhalb des ghanaischen Geschäftsumfelds riet Ampofo den Unternehmerinnen, Geschäftsprozesse und insbesondere die Organisationsstruktur der Zuliefernetzwerke genau zu kennen, um zu wissen, an wen sie sich bei auftretenden Schwierigkeiten wenden können. „Bei der Einreichung von Anträgen ist es wichtig, eine Antikorruptionspolitik aufzunehmen. Präventive Maßnahmen sind immer der beste Schritt, um Korruption entgegenzuwirken,“ so Ampofo weiter. Sie empfahl den Geschäftsführerinnen, ihre Netzwerke mit anderen Unternehmerinnen, weiblichen Führungskräften und männlichen Kollegen, denen sie vertrauen, auszubauen, um Probleme wie Erpressung zu entschärfen, wenn sie auftreten. Sie beklagte zudem, dass Arbeitsgesetze nur das Unternehmensumfeld begünstigten und erklärte, dass „Unternehmerinnen nicht geschützt sind und daher zusätzliche Schutzmaßnahmen ergreifen müssen.“ In diesem Zusammenhang riet sie Frauen, Sitzungen aufzuzeichnen, wenn sie sich unsicher fühlten, und an Geschäftsbesprechungen ihre persönlichen Assistenten oder vertrauenswürdige Partner mitzubringen, um unerwünschte Annäherungsversuche zu verhindern.

In ihrem Vortrag wies Ampofo auf einige bewährte Praktiken und Mechanismen zur Wiedergutmachung hin und drängte die teilnehmenden Geschäftsfrauen, Pläne zur Eintreibung von Schulden zu entwickeln und Vereinbarungen auch in Verträge mit Bekannten einfließen zu lassen. Darüber hinaus sei es wichtig, Pläne für Vertragsverletzungen, wie beispielsweise Versicherungsschutz, zu haben.

Zum Abschluss des Treffens ermutigte die Vorsitzende der Advisory Group Ghana, Linda Ofori-Kwafo, die Frauen, keine Kompromisse bezüglich Integrität einzugehen, sondern sich weiterhin für den Kampf gegen Korruption im Geschäftsumfeld einzusetzen. Sie forderte die Teilnehmerinnen auf, sich untereinander zu vernetzen und Partnerschaften mit integren Personen zu nutzen, um zu vermeiden, dass sie beeinträchtigt oder ungerecht behandelt werden.

Autor: Gideon Mankralo

 
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