Die Integritätsreise geht weiter – Erfolgsgeschichten früherer Teilnehmenden

08.06.2021

São Paulo, Brasilien

Advisory Group Brazil paves the way for a sustainable future of the initiative

In den letzten Jahren hat die Allianz für Integrität mehr als 3.200 Unternehmensvertreter*innen dabei unterstützt, ihre Compliance-Mechanismen zu stärken und somit auch neue Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen. Ein wichtiger Bestandteil der Trainingsaktivitäten ist die Integritätsreise, die bereits in Argentinien, Brasilien und Indien stattgefunden hat. Die Integritätsreise ist ein Mentoring-Programm, das speziell für die Schulung von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) in Fragen der Korruptionsprävention entwickelt wurde. Die Reise umfasst zehn Stufen, darunter eine Auftaktveranstaltung, Online-Seminare und ein DEPE (De Empresas para Empresas - von Unternehmen für Unternehmen) Korruptionspräventionstraining. Nach erfolgreichem Abschluss des Programms sind die Teilnehmenden in der Lage, ein effektives Compliance-Management-System einzurichten, umzusetzen und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Das Trainingsprogramm legt den Grundstein für eine effektive Korruptionsprävention, indem es das notwendige Wissen, praktische Instrumente und ein Netzwerk aus gleichgesinnten Organisationen vermittelt. Die Integritätsreise endet jedoch nicht nach der Abschlussveranstaltung, vielmehr geht sie gerade erst los! Entscheidend ist der Moment, wenn die Teilnehmenden in ihre Unternehmen zurückkehren, um die Maßnahmen in die Praxis umzusetzen. Deshalb lohnt es sich, die Unternehmen einige Monate nach dem Ende des Trainings zu besuchen, um zu sehen, welche Erfolge bis dato erzielt wurden.

Eineinhalb Jahre nach dem erfolgreichen Abschluss der ersten Integritätsreise in Brasilien berichteten drei der teilnehmenden Unternehmen der ‚Peer-to-Peer-Learning‘-Arbeitsgruppe der Allianz für Integrität ihre persönlichen Erfolgsgeschichten. Sie sprachen über den Entwicklungs- und Umsetzungsprozess der Integritätsmaßnahmen, über Herausforderungen, die sie zu bewältigen hatten, und darüber, wie sich der Wandel ihrer Unternehmenskultur hin zu mehr Transparenz und Rechenschaftspflicht positiv auf bestehende Geschäftsbeziehungen ausgewirkt hat.

Jessica Souza, ehemalige strategische Einkäuferin bei Ambar Tech, eröffnete die Veranstaltung, indem sie ihre Erfolgsgeschichte vor den mehr als zwanzig zugeschalteten Compliance-Expert*innen teilte. Ambar Tech ist ein KMU, das im Hoch- und Tiefbausektor Brasiliens tätig ist. Bevor die Integritätsreise begann, hatte das Unternehmen keine Mechanismen für das Management von Compliance-Risiken umgesetzt. „Am Anfang hatten wir keine Ahnung, wo wir mit dem Aufbau des Compliance-Management-Systems beginnen sollten. Einen konkreten Leitfaden zu bekommen, der genau erklärte welche Schritte wir befolgen müssen, war ein enormer Gewinn für uns. Die Systematisierung und Überwachung unserer Compliance-Maßnahmen war wichtig für das weitere Wachstum unseres Unternehmens, insbesondere im Hinblick auf das Risikomanagement“, so Jessica. Die Teilnahme an der Integritätsreise hat maßgeblich dazu beigetragen, die strategische Vision von Ambar Tech weiterzuentwickeln. Ein wichtiger Bestandteil dieser Strategie ist das neue Risikomanagementsystem, das nicht nur kurzfristige Risikofaktoren identifiziert, sondern auch rechtliche und soziale Aspekte einbezieht, die langfristige Folgen für das Unternehmen haben könnten. „Dieser innovative Ansatz fördert gleichzeitig auch unsere Geschäftsmöglichkeiten. Die etablierten Integritäts- und Compliance-Maßnahmen haben unser Verhältnis zu unseren Geschäftspartnern verbessert.

Wir haben jetzt einen sehr guten Ruf in der Branche, was uns auch für neue Kunden attraktiv macht“, so Jessica abschließend.

In der folgenden Sitzung berichtete Roseleila Vieira, HR-Managerin bei Cabelauto Brasil, über ihre Erfahrungen während der Teilnahme an der Integritätsreise. Das Unternehmen ist in der Produktion von Elektrokabeln tätig und hat derzeit 230 Mitarbeitende. „Die Integritätsreise hat wesentlich dazu beigetragen, den bereits bestehenden Verhaltenskodex in ein Dokument zu verwandeln, das von allen unseren Mitarbeitenden verbreitet und gelebt wird“, betonte sie. Als Best-Practice-Beispiel schlug sie vor, wöchentliche Treffen zu organisieren, die darauf abzielen, Mitarbeitende und das obere Management aktiv in den Umsetzungsprozess einzubeziehen. Während dieser Treffen wurden neue Bedürfnisse identifiziert und konkretisiert, um die Compliance-Richtlinien des Unternehmens entsprechend internationaler Standards, Besonderheiten des Marktes und seiner Organisationsstruktur zu gestalten. Diese bewährte Praktik löste auch eine der größten Herausforderungen des Unternehmens: die Einbeziehung des Top-Managements in die Umsetzung der Compliance-Mechanismen. Ihre aktive Teilnahme an den wöchentlichen Meetings sendete eine klare Botschaft an die Mitarbeitenden.

André Bugarim, CEO von Parsec Engenharia, schloss die Reihe ab. Sein Familienunternehmen umfasst aktuell 40 Mitarbeitende und ist in den Bereichen Tiefbau und Industriemontage tätig. „Wir beliefern mehrere große, multinationale Unternehmen. Sie erwarten von uns, dass wir die geforderten Integritätsstandards erfüllen. Das Trainingsprogramm war für uns eine gute Gelegenheit, an unseren Compliance-Mechanismen zu arbeiten und so nicht nur laufende Geschäftsbeziehungen zu pflegen, sondern auch neue Geschäftsmöglichkeiten zu generieren“, erklärte er. „Wir hatten bereits Compliance-Prozesse umgesetzt, bevor wir an der Integritätsreise teilnahmen, aber sie wurden nur teilweise angewendet. Wir konnten diese Prozesse nun vereinfachen, implementieren und sogar auslagern. Ich empfehle anderen Unternehmen, Compliance-Maßnahmen zu standardisieren, um für Dritte ein verlässlicher Partner zu sein und langfristig einen guten Ruf zu bewahren“, führte er weiter aus.

Der Austausch zwischen den Mitgliedern der Arbeitsgruppe und den Teilnehmenden der Integritätsreise wurde von beiden Seiten als sehr gewinnbringend empfunden. Die Entwicklung von Integritätssystemen kostet Zeit und Mühe, weshalb die Ergebnisse mittel- und langfristig gemessen und bewertet werden müssen. Ebenso ist es für Compliance-Beauftragte großer Unternehmen äußerst wichtig, die Bedürfnisse und Schwierigkeiten von KMU bei der Implementierung eines effektiven Compliance-Management-Systems zu verstehen. Dieses Verständnis ermöglicht es ihnen, besser auf die Bedürfnisse ihrer Lieferketten eingehen zu können und sie bei der Verbesserung ihrer Integritätsstandards zu unterstützen. Im Jahr 2021 wird die Allianz für Integrität eine neue Ausgabe der Integritätsreise in Brasilien starten, die sich dieses Mal an KMU und Genossenschaften aus dem Agrarsektor richtet. Für weitere Informationen besuchen Sie unsere Trainingsseite.

Autor: Fernando Orn

 
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